Heerenveen (Niederlande), MĂ€rz 2022. Als erstes unabhĂ€ngiges Test- und Forschungszentrum Europas mit Anlagen nach industriellem MaĂstab hat sich das in 2018 gegrĂŒndete NTCP (National Test centre Circular Plastics) in den Niederlanden zur Aufgabe gemacht, das Verhalten der unterschiedlichen Kunststoffe wĂ€hrend des Sortierens und Waschens zu untersuchen. Dies mit dem klaren Ziel, die Prozesse quantitativ, qualitativ und in Bezug auf den Energieeinsatz zu optimieren, um so das Kunststoffrecycling ganz im Zeichen der Circular Economy voranzutreiben. Kunden im In- und Ausland zeigen bereits groĂes Interesse an den Testmöglichkeiten. âDie Kunststoff-Waschanlage, welche Lindner Washtech Mitte 2022 installiert, wird mit seiner modularen Bauweise einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung und Optimierung der unterschiedlichen Kunststoffströme ermöglichenâ, so Martine Brandsma, Direktorin des NTCP.
NTCP vertraut auf modulare Waschkomponenten von Lindner Waschtech

Martine Brandsma, Direktorin des NTCP, und Freek Van Rhijn, technischer Direktor, freuen sich ĂŒber das groĂe nationale und internationale Interesse.
Im Norden der Niederlande, eingebettet in der Provinz Friesland, liegt die 50.000 Seelengemeinde Heerenveen. Seit 2018 ist dies auch die Heimat des Nationalen Testzentrums fĂŒr Kunststoffrecycling, kurz NTCP. Es ist seines Zeichens das erste unabhĂ€ngige Test- und Forschungszentrum Europas, welches heterogene Kunststoffabfallströme bis auf das Pixel genau analysieren kann. Und das nicht mit den sonst oft in Forschungseinrichtungen auffindbaren Versuchslaboren, sondern mit hochmodernen Anlagen: roh, industriell, laut und... mit echtem Abfall.
Das Spiel mit den Einstellungen
Die Idee hinter dem NTCP ist eigentlich ganz einfach: Je mehr Kunststoffe in den richtigen Sortierstrom gelangen und den richtigen Weg zu den mechanischen und chemischen Recyclern nehmen, desto höher ist der Prozentsatz an Kunststoffen, die im Kreislauf verbleiben. Aber so einfach das auch klingt, so komplex ist dies in der RealitĂ€t. Brandsma: âIch vergleiche es manchmal mit einem Schachspiel, das auf sieben Brettern gleichzeitig stattfindet â und auf jedem werden ZĂŒge gemachtâ. UmgemĂŒnzt auf das Recycling bedeutet das: Alle, die am Recyclingprozess teilnehmen, die Wertstoffsammler, Sortierer und Recycler, entwickeln sich stetig weiter. Dadurch befindet sich das System in einem stetigen Wandel. Um einzelne oder gröĂere Prozessschritte zu untersuchen, verfĂŒgt das NTCP ĂŒber eine 25 mal 20 Meter lange und 9 Meter hohe Industrie-Sortieranlage, mit welcher der gesamte Sortierprozess (bis zu 2 t/h) simuliert werden kann. Der modulare Aufbau erlaubt es, die Einstellungen an die unterschiedlichen Testanforderungen anzupassen und genauestens zu analysieren. Auch das Zusammenspiel verschiedener Sortiertechniken kann so getestet und optimiert werden.
Neue Waschanlage
Die von NTCP betriebene Sortieranlage fĂŒllt derzeit die HĂ€lfte der zur VerfĂŒgung stehenden tausend Quadratmeter der ProduktionsflĂ€che aus. Die andere HĂ€lfte ist fĂŒr eine neue Waschanlage reserviert, welche im August 2022 vom Kunststoffrecycling-Spezialisten Lindner Washtech installiert und in Betrieb genommen wird. Das modulare System der Anlage ermöglicht es, dass der Waschprozess in jedem einzelnen Schritt genau untersucht und quantifiziert werden kann. Freek Van Rhijn, technischer Leiter des NTCP: âBald werden wir hier den gesamten Waschprozess fĂŒr alle Materialien simulieren und optimieren können. Von der Zerkleinerung, der TrockenwĂ€sche, der Kalt- und HeiĂwĂ€sche, der Dichtetrennung, der mechanischen und thermischen Trocknung bis hin zur Trennung mit einem Flakesortierer. Wir achten auch auf die benötigten Waschmittel und die Umweltauswirkungen von mehr oder weniger Wasser. Wie wirkt sich fĂŒnf oder zehn Grad kĂŒhleres Waschen auf den Energieverbrauch aus? Was ist im Abwasser und was kostet dessen Entsorgung? Mit der neuen Waschanlage ĂŒbernehmen wir den letzten Schritt vom Sortieren bis hin zur sauberen Kunststoffflocke".

Die komplexe und hochmoderne modulare Waschanlage von Lindner Washtech wird im August 2022 installiert und ermöglicht, jeden einzelnen Schritt des Waschprozesses im Detail zu analysieren und zu quantifizieren.
Bei der Entwicklung der neuen Kunststoff-Waschanlage arbeitete Van Rhijn mehrere Monate lang mit den Ingenieuren von Lindner Washtech eng zusammen. Harald Hoffmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Unternehmens aus GroĂbottwar (Deutschland), zeigt sich sehr erfreut, dieses Leitprojekt aktiv mitgestalten zu können. Er ist davon ĂŒberzeugt, dass die Testlinie in ihrer Gesamtheit die Recyclingindustrie enorm beeinflussen und fĂŒr einen groĂen Entwicklungssprung sorgen wird. "Das modulare System wird es bald ermöglichen, verschiedene Kunststoffarten unterschiedlichen Waschtests zu unterziehen. Das ist realisierbar, da die Module unabhĂ€ngig voneinander in den Prozess integriert werden können. AuĂerdem kann jedes Waschmodul separat an die BedĂŒrfnisse der jeweiligen Kunststoffart und deren Verschmutzungsgrad angepasst werden. Diese FlexibilitĂ€t schafft vielfĂ€ltige Möglichkeiten, die es erlauben, den Prozess in jedem Schritt zu optimieren und gleichzeitig die Produktion eines hochwertigen Rezyklates zu gewĂ€hrleisten. Forschungen und Tests wie diese leisten einen aktiven Beitrag zur Recycling-RentabilitĂ€t, zur Erhöhung der Recyclingquote und dem Umweltschutzâ, so Hoffmann.

Das farbenfrohe GebĂ€ude des NTCP â das erste unabhĂ€ngige Testzentrum fĂŒr Kunststoffrecycling in Europa mit hochindustriellen Recyclinganlagen.
Zu den von Lindner Washtech gelieferten flexiblen und hoch spezialisierten Systemkomponenten zĂ€hlen nebst der komplexen Waschanlage ein universeller Kunststoffschredder der Baureihe Antares sowie eine NassschneidmĂŒhle. Der eigentliche Waschprozess kann mit den unterschiedlichen Waschkomponenten punktgenau auf das Inputmaterial und dessen Verschmutzungsgrad angepasst werden. Dazu stehen ein Trockenreiniger, VorwĂ€scher, FriktionswĂ€scher oder diverse Hot-Wash-Komponenten zur VerfĂŒgung. Auch im Bereich der Trennung und Trocknung kann der Kunde auf diverse Optionen zurĂŒckgreifen. Bei der Materialtrennung und -trocknung können verschiedene Optionen gewĂ€hlt werden, um den optimalen Prozess fĂŒr das jeweilige Material zu entwickeln und zu gestalten. So wird die NTCP Anlage ĂŒber einen mechanischen Trockner, einen Stufentrockner, aber auch ĂŒber eine thermische Trocknung speziell fĂŒr Folien verfĂŒgen.
UnabhÀngige Beratung
Da es sich beim NTCP um eine unabhĂ€ngige Not-For-Profit-Organisation handelt, die ihre Gewinne wieder reinvestiert, werden unterschiedliche Organisationen und Interessensgruppen innerhalb der Wertstoffkette des Kunststoffrecylings gleichermaĂen angesprochen. Viele nationale und auch internationale Unternehmen haben bereits ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Freek van Rhijn, der im Oktober 2019 als technischer Leiter an Bord kam, ist nicht ĂŒberrascht, dass die AuftragsbĂŒcher von NTCP von Beginn an mit Projekten gefĂŒllt waren: âWenn die Leute hierherkommen, trauen sie ihren Augen nicht. Sie stellen sich eine Art Labor mit kleinen Maschinen vor. Aber wir haben hier echte Industrieanlagen. Jeder, mit dem wir sprechen, sieht die Vorteile, die wir in dieser GröĂenordnung haben.â Die AuftrĂ€ge kommen von einer Vielzahl groĂer und kleiner Parteien, darunter Sortierer, Recycler, MarkeneigentĂŒmer, EinzelhĂ€ndler, Verpackungsunternehmen und anderen Akteuren des Kunststoffrecyclings und auch internationale Markenunternehmen haben sich bereits mit Forschungs- und Testanfragen an das NTCP gewandt.
Auch die Lindner Washtech beabsichtigt, diese Einrichtung fĂŒr die Weiterentwicklung ihrer Waschkomponenten und fĂŒr die Prototyptestung zu nutzen. âWir wollen die Versuchsmöglichkeiten im NTCP kĂŒnftig auch fĂŒr eigene Neuentwicklungen nutzen. Weiters werden wir auch dafĂŒr sorgen, dass unsere jĂŒngsten Innovationen fĂŒr NTCP-TestlĂ€ufe zur VerfĂŒgung stehen. Letztlich profitiert die gesamte Kunststoffindustrie von Testmöglichkeiten und Anlagen in dieser GröĂenordnungâ, meint Georg Krenn, technischer Leiter von Lindner Washtech.
Bevorzugter Partner fĂŒr Tests und Forschung
Ausgehend von dem festen Ziel, die Menge an recyceltem Material zu erhöhen und die Innovation in den verschiedenen Wertschöpfungsketten zu beschleunigen, wird das NTCP den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Direktorin Martine Brandsma sieht sogar eine herausragende Rolle fĂŒr nachhaltige Kunststoffe auf dem europĂ€ischen Spielfeld voraus. âWir wollen der bevorzugte Partner fĂŒr Tests und Forschung im Bereich der Haushaltsabfallströme werden. Wir sind zu achtzig Prozent auf dem richtigen Weg, um das fĂŒr 2022 gesetzte Ziel zu erreichen. In kurzer Zeit sind wir als unabhĂ€ngiger Partner anerkannt worden und die Ergebnisse wurden auf nationaler und internationaler Ebene bestĂ€tigt und geschĂ€tzt. Das zeigt zum einen, dass ein enormer Bedarf vorhanden ist. Andererseits ist es eine BestĂ€tigung dafĂŒr, dass wir das GeschĂ€ftsmodell richtig aufgestellt haben und mit den Projekten gute Ergebnisse erzielen. Wir arbeiten hier mit einer kleinen Gruppe von Menschen. Darauf können wir also sehr stolz sein."