São Paulo, Juli 2026. Neue gesetzliche Regelungen in Chile, Kolumbien und jüngst auch Brasilien führen zu verbindlichen Recyclingzielen und Vorgaben zur erweiterten Herstellerverantwortung und verschärfen damit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Kunststoffindustrie in Lateinamerika. Welche Chancen sich daraus für Recyclingunternehmen ergeben, zeigt das Beispiel Recupac, Teil der Coipsa Group, in Chile: Hier werden Post-Consumer-Kunststoffe mithilfe zukunftsweisender Technologie, gezielter Prozesssteuerung und strategischer Partnerschaften zu hochwertigen Rezyklaten verarbeitet.
Die Kunststoffrecyclingbranche in Lateinamerika befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Treiber dieser Entwicklung ist eine strukturelle Veränderung: Immer mehr gesetzliche Regelungen verpflichten Hersteller und Importeure, die von ihnen in den Verkehr gebrachten Kunststoffe wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen. Im Oktober 2025 trat in Brasilien das Dekret Nr. 12.688/2025 zur Regelung der Rücknahmelogistik für Kunststoffverpackungen in Kraft. Es legt zwei zentrale Ziele fest: eine Rückgewinnungsquote für die Sammlung und ordnungsgemäße Verwertung von Kunststoffverpackungen sowie einen verpflichtenden Rezyklatanteil von mindestens 22 Prozent ab 2026. Bei Nichteinhaltung drohen Strafzahlungen von bis zu 50 Mio. BRL.
Brasilien beschreitet damit einen Weg, den seine Nachbarländer bereits eingeschlagen haben. In Chile gilt seit 2016 das REP-Gesetz (Gesetz Nr. 20.920), das bis 2026 eine Kunststoff-Recyclingquote von 32 Prozent vorsieht. Kolumbien wiederum verabschiedete 2022 das Gesetz 2232. Demnach müssen PET-Flaschen einen Rezyklatanteil von mindestens 50 Prozent aufweisen, der bis 2030 auf 90 Prozent angehoben werden soll. Der Trend in Lateinamerika ist eindeutig: Die gesetzlichen Anforderungen an Recyclingquoten und Rezyklatanteile werden zunehmend ambitionierter. Damit wächst auch der Bedarf an hochwertigen Rezyklaten und entsprechenden Recyclinglösungen – und eröffnet neue Chancen für Unternehmen wie Recupac in Chile und Technologiepartner wie Lindner Washtech.
Die Transformation von Abfall zu Wertstoffen
Recupac, der auf Abfallwirtschaft und Wertstoffaufbereitung spezialisierte Geschäftsbereich der Coipsa Group, hat sich in den vergangenen 35 Jahren in der chilenischen Kreislaufwirtschaft etabliert. Das Unternehmen betreut rund 500 Kunden und verarbeitet jährlich mehr als 150.000 Tonnen Abfälle zu Wertstoffen. Zu den jüngsten Projekten von Recupac zählt die LDPE-Recyclinganlage in San Bernardo mit einer Kapazität von 500 Tonnen pro Monat. Die dort produzierten Rezyklate ersetzen bereits rund 40 Prozent des Primärkunststoffs, der für die Herstellung von Folien eingesetzt wird.
„Recupac nimmt eine klar definierte Rolle innerhalb der chilenischen Kreislaufwirtschaft ein. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch ein integriertes Abfallmanagement zu steigern. Im Fokus stehen die bestmögliche Verwertung der Materialien, eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und ein konsequenter Kreislaufansatz“, erklärt Macarena Hadad, stellvertretende Leiterin Business Development bei Recupac.
Das LDPE-Projekt entstand laut Hadad aufgrund der Erkenntnis, dass die reine Bewirtschaftung des Materialstroms nicht mehr ausreichte. „Wir haben die Gelegenheit ergriffen, einen Schritt weiterzugehen und einen Sekundärrohstoff herzustellen, der wieder in Produktionsprozesse zurückgeführt werden kann.“
Der Schlüssel zu konstanter Rezyklatqualität
Die Verarbeitung von Post-Consumer-Kunststoffen – sprich: heterogenen und verunreinigten Materialien aus unterschiedlichen Quellen – zu Rezyklaten in gleichbleibender Qualität erfordert eine konsequente Prozesskontrolle über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg: von der Sammlung des Materials beim Kunden über die Sortierung und Verpressung bis hin zur nachgelagerten Qualitätskontrolle und dem tatsächlichen Recycling, dem Zerkleinern, Waschen, Trocknen und der Extrusion.


